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Meldungen aus dem Landesverband Hamburg
Meldungen aus dem Landesverband Hamburg

Praktikum beim Landesverband Hamburg

Felix Kindervater, Schüler am Johanneum Hamburg, berichtet über sein Sozialpraktikum beim Volksbund

 

Mein Name ist Felix Kindervater. Ich besuche die zehnte Klasse der Gelehrtenschule des Johanneums Hamburg. Vor rund einem Jahr bin ich durch einen Projekttag, dem sogenannten Humanismustag an unserer Schule, mit dem Volksbund in Kontakt gekommen. Ich habe mich damal freiwillig entschieden auf der Internationalen Kriegsgräberstätte auf dem Friedhof Ohlsdorf einen Workshop zu besuchen. Dort beschäftigten wir uns mit den Biografien einzelner Kriegstoter, erhielten Einblicke in die Arbeit des Volksbundes sowie in die Geschichte der Weltkriege und pflegten außerdem Gräber aus dem Ersten Weltkrieg, anstatt an der Schule zu einem ähnlichen Projekt zu arbeiten. 

Mich haben die Inhalte damals interessiert und ich habe gemerkt, dass ich mein geschichtliches Wissen weiter ausbauen wollte. Im Rahmen eines Sozialökonomischen Praktikums habe ich deshalb beim Volksbund angefragt, ob ich für zwei Wochen betreut werden könne.

Nun möchte ich kurz davon berichten, was ich in diesen zwei Wochen getan, gezeigt und mitgenommen habe.
 

Wie sieht ein Praktikum beim Volksbund aus?

Besonders schön für mich waren die „Exkursionen“ – Tage, an denen ich nicht im Büro war, bzw. zumindest nicht ausschließlich, sondern tatsächlich draußen auf Friedhöfen. Da wäre einerseits eine vollständige Führung über den Friedhof Ilandkoppel, ein sehr idyllisch wirkender jüdischen Friedhof, dessen Grabsteine aus dem tragischen Grund, dass die jüdische Gemeinde und damit nahezu alle Angehörigen der dortigen Gräber ausgelöscht wurden, leider teilweise zerfallen oder überwachsen sind. Andererseits der Friedhof Ohlsdorf, wo ich Grabsteine und lesbare Sterbedaten von Gräbern dokumentiert habe, die nicht kartografiert waren. Ich habe geholfen Gräber von Opfern zu suchen, um später Biografien, hier zu Justizopfern, inklusive Aufnahmen der Grabsteine, anzufertigen.

Eine weitere Aufgabe war die Medienarbeit, welche an die Exkursion in Ohlsdorf anschloss. Die Biografien sollen nämlich später öffentlich gemacht werden. Zu weiteren Recherchen habe ich den Besuch ins Staatsarchiv begleitet und auch in den Kriminalakten von damals lesen dürfen. Zur Medienarbeit gehört aber auch Internetrecherche, wobei ich hierfür zu Begriffen recherchierte, welche später auf der Website des Volksbunds und auf Social Media erklärt werden sollen.

Sehr viel Zeit habe ich auch mit einer Plakatausstellung verbracht. Diese behandelte thematisch das Kriegsjahr 1943 in Hamburg wie auch den Feuersturm von Operation Gomorrha. Die Zielgruppe der Ausstellung sind Schüler um und bei meinem Alter, weswegen ich sie mir anschauen und meine Gedanken und Rückmeldungen notieren sollte. Für mich war das besonders spannend, weil das Thema Hamburg im Zweiten Weltkrieg bei mir im Unterricht nicht wirklich behandelt wurde.

Zuletzt wären da noch die „klassischen Praktikantenaufgaben“. Das Team des Volksbundes in Hamburg besteht aus drei Leuten, wodurch jede kleine Aufgabe, die weniger anfällt, eine sehr große Hilfe war. Mich persönlich hat es nicht gestört, dass ich auch eher stumpfe Aufgaben, wie das Einheften von Urkunden oder das Verplomben (eine Art der Versiegelung) von Spendendosen, im Arbeitsalltag übernommen habe. Manchmal waren solche Aufgaben, wo man nicht viel denken musste, und etwas Leerlauf bekam, auch ziemlich entspannt. 

Was nehme ich mit?

Am meisten im Kopf bleibt wahrscheinlich die Ilandkoppel und der Inhalt der Plakatausstellung, die Gomorrha in Hamburg thematisierte. Einerseits wusste ich vorher nicht, dass die Ilandkoppel existiert und die Geschichte doch sehr tragisch ist, und andererseits wusste ich vorher durch Unterricht nur sehr wenig über die Operation Gomorrha oder Hamburg im Zweiten Weltkrieg allgemein. Zu Gomorrha besonders prägend sind die Flakhelfer. Dass Jugendliche in Städten während Luftangriffen an Geschützten stationiert waren, anstatt im Luftschutzbunker, das bleibt im Kopf.

Alles in allem hat mir das Praktikum sehr gut gefallen und ich kann es sehr empfehlen, wenn die genannten Aktivitäten für euch interessant klingen.